Institut für medizinische &
molekulare Diagnostik AG
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Zoeliakie (HLA-Genotyp)

HLA-DQ2 (DQA1*05:01 + DQB1*02) und HLA-DQ8 (DQB1*03:02)

Genetische Analyse: Die schriftliche Einverständniserklärung der Untersuchungsperson wird vorausgesetzt.

Informationen zum Probenmaterial

Material

EDTA-Blut

Menge

1 ml

Informationen zur Analyse

Methode

real-time PCR

Labor

IMD

Messintervall

1 x pro Woche

Hintergrundinformationen

Die Zöliakie (syn. einheimische Sprue, glutensensitive Enteropathie, Glutenintoleranz, Glutenunverträglichkeit) ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms bei genetisch disponierten Individuen kaukasischer Abstammung. Durch Gluten - einem in vielen Getreidearten enthaltenen Klebereiweiss - werden T-Zell-vermittelte Immunreaktionen ausgelöst, die zu entzündlichen intraepithelialen Infiltraten der Mucosa, zu Kryptenhyperplasie und Zottenatrophie führen. Die damit verbundenen Funktionsstörungen haben Malabsorption und Mangelerscheinungen zur Folge. Leitsymptome der klassischen frühkindlichen Zöliakie sind Inappetenz, aufgetriebener Bauch, schmerzhafte Blähungen, fettreiche, voluminöse Stühle.

 

Als serologische Methoden für ein breites Screening verfügbar wurden zeigte es sich, dass die beim Kleinkind bekannte Zöliakie nur die "Spitze des Eisbergs" darstellt. Die Glutenintoleranz ist weitaus häufiger als früher angenommen. Erste Symptome können in jedem Lebensalter auftreten. Es sind heute oligo-, monosymptomatische und auch extraintestinale ("atypische") Formen beschrieben, die sich mit derart vieldeutigen Zeichen äussern, dass die Erkrankung oft lange nicht erkannt wird: allgemeine Schwäche, Anämie, Eisenmangel, Blutungsneigung, Gewichtsverlust, Osteoporose, usw. In verschiedenen Ländern wurde eine Prävalenz der Zöliakie von 1:100 bis 1:500 beschrieben. Das heisst, dass bis zu ein Prozent der Bevölkerung von Zöliakie betroffen ist. Bei strikt glutenfreier Diät sind sowohl die funktionellen Störungen als auch die morphologischen Schäden reversibel. Die unbehandelte Zöliakie ist nach langer Laufzeit mit einem erhöhten Risiko für ein intestinales T-Zell-Lymphom assoziiert.

 

Schon früh legten familiär gehäuftes Vorkommen, erhöhte Inzidenz der Erkrankung von 8-10% bei Blutsverwandten ersten Grades eines Patienten, Konkordanz von mehr als 75% bei identischen Zwillingen und Assoziation mit bestimmten HLA Antigenen der Klasse II (DQ2/DQ8) einen genetischen Hintergrund nahe. Molekularbiologisch finden sich bei etwa 95% der Patienten die Allele DQA1*0501 und DQB1*0201 (DQ2), in der Gesamtbevölkerung sind es 20 bis 30%. Bei 3 bis 4% der Patienten liegen die Allele DQA1*0301 und DQB1*0302 (DQ8) vor. In Populationen, in denen die Glutenintoleranz selten ist (Afrikaner, Asiaten), werden diese Allele kaum gefunden. Ihr Vorliegen gilt heute als unabdingbar notwendige Voraussetzung für die Erkrankung. Sie codieren für Moleküle der MHC Klasse II, die hauptsächlich auf Antigen präsentierenden Zellen exprimiert werden.

 

Serologische Laboruntersuchungen haben einen hohen Stellenwert. Das Screening auf IgA Antikörper gegen Tissue Transglutaminase (tTG), deamidierte Gliadinpeptide und/oder Endomysium (EMA) erreicht eine Sensitivität und Spezifität von 95 bis 99%. Die Serologie versagt jedoch bei selektivem IgA-Mangel, den 3-10% der Zoeliakie-Patienten aufweisen. Auch bei Kindern unter 5 Jahren ist sie nicht verlässlich. Die Histologie der Dünndarmbiopsie gilt noch immer als diagnostischer Goldstandard, obschon ihre Aussagekraft - vor allem bei älteren Kindern und Erwachsenen mit atypischer Klinik - seit längerem in Zweifel gezogen wird.

Die molekulargenetische Untersuchung der Allele DQA1*05 und DQB1*02 (DQ2) und des Allels DQB1*0302 (DQ8) mittels Real Time PCR hat einen sehr hohen negativen Voraussagewert. Sie tragen damit Wesentliches zum Entscheid zur Biopsie bei. Wenn die besagten Allele nicht vorliegen, kann die Erkrankung mit einer Wahrscheinlichkeit von über 98% ausgeschlossen werden und andere Ursachen der klinischen Symptome müssen in Betracht gezogen werden. Die genetische Analyse bei Blutsverwandten eines Betroffenen gibt Auskunft über ihr Erkrankungsrisiko.

 

Indikationen

 

• Ausschluss der Erkrankung bei uncharakteristischer Klinik

• unklare Resultate serologischer Untersuchungen (IgA-Mangel, Kinder <5j)

• Risikoeinschätzung bei Blutsverwandten von Patienten

Literatur

  • OMIM 142800
  • Lebwohl et al. Coeliac disease. The Lancet 2017 published online July 28, 2017: https://celiac.org/wp/wp-content/uploads/2017/08/lancet.pdf
  • Rubio-Tapia et al. ACG clinical guidelines: diagnosis and management of celiac disease. Am J Gastroenterol. 2013;108:656-76.

Abrechnungs-Informationen

Tarif-Code Taxpunkte Preis
1420.00 345.00 CHF345,00